And it's all... [Schokoflocke }}} vol 21]

Zu groß für mich.


01.10.2007 18:32 Uhr

Natürlich nicht, nein. Du sagst es mir ja immer wieder, jeden Tag. So wie heute früh, beim Aufwachen. Wenn ich dir in die Augen schaue, sagst du es. Und ich spüre, dass du es auch ehrlich fühlst.
Du bist immer da, so einfach, und so kompliziert für mich zu ertragen. Hast du es noch nicht gemerkt? Das kann es nicht sein. Denn wenn wir uns streiten, und das geht immer von mir aus, sage ich es dir. Egal, wo wir angefangen haben, wir kommen immer hier an. Und ich fühle im Gespräch mit dir, dass ich immer kleiner werde, indem ich die ganze Wut aus mir rausblase, und ich bin eine wütende, kleine geballte Kugel Mensch, und du bist ganz groß und transparent. Das, was ich dir vorwerfe, geht durch dich durch. Weil du weißt, dass ich im Unrecht bin. Und, noch schlimmer, ich weiß es auch. Aber du bist nicht wütend, du bist es nicht.
Und so werde ICH immer wütender, und ich schleudere dir Sachen an den Kopf, die im Einzelnen nicht zu verletzend sind. Aber DASS ich das tue, und dass ich es immer, immer wieder tue, das ist so hassenswert, dass ich versuche, diese Banalitäten aus meinem Kopf zu verdrängen oder mich doch wenigstens selbst davor zu verstecken.
Und wieso bin ich bloß so schwach. Ich verausgabe mich regelmäßig so sehr mit meiner quellenlosen Unzufriedenheit, dass ich nicht mehr kleiner werden kann, und dann ist auch kein Platz mehr für die Wut. Dann ist nur noch ein bisschen Selbstmitleid übrig und ganz viel Reue, die ich aber nicht zugeben kann. Und du bist so stark, du hast es vielleicht einfach nicht verstanden, nicht wahrgenommen, oder, was das Beste wäre, was ich hoffe, inständig, in diesen Augenblicken - nicht ernstgenommen.
In diesen Augenblicken, da wird die Versuchung so groß. Kannst du das verstehen? Dass ich dich nicht liebe, aber dass ich es liebe, wie du einfach da bist, für mich, und weil du mir dieses Gefühl gibst, mich anlehnen zu können. Du fängst mich wirklich auf, und was ich dabei bin, weiß ich nicht, oder nicht mehr. Nutze ich dich aus? Ich glaube nicht. Ich komm nur nicht von dir los, weil du das hast, was ich nicht habe. Ich ohne dich, das geht nicht. Aber das reicht nicht.
Bin ich dir nicht genug?
fragst du. Und ich weiß, dass du genug bist.
Mehr als genug!
möchte ich schreien, möchte dich schütteln oder wegschieben. Einfach mal hässlich zu dir sein und ehrlich. Aber ich weiß so gut wie du, dass du das nicht verdienst. Was du verdienst, ist unendlich viel mehr als das, was ich dir gebe.


Wenn du jetz anrufen würdest!


11.10.2007 19:24 Uhr

arum rufst du nicht an...
Es fühlt sich einfach schlecht an, wenn du gehst. Ich fühle mich nicht gut, und kaum bist du eine Minute weg, hab ich das Gefühl,
nicht mehr zu wissen, was ich gerade machen wollte. Mein Kopf tut weh, meine Beine auch und schwindelig ist mir...
Du hast was von einer Sitzung erzählt, bist mal wieder exakt 17 Minuten vorher losgefahren. Du wirst
bestimmt pünktlich sein. Bist du immer. Irrationalerweise setze ich mich an den PC, in meinen blöden Sofaklamotten, die ich sogar vor dir tragen könnte, ohne dass du dir komisch vorkämst. Ist ja egal,
du bist jetzt eh weg, und mein Kopf sagt mir, du rufst heute nicht mehr an. Wirst auch nicht spontan noch
vorbeischauen, oder eine SMS schreiben, oder eine Mail. Nein, du bist beschäftigt, hast was zu tun, und zwar genug.
Klar, hab ich auch! Wär ja gelacht...ich geh nicht wegen dir an den PC, nein! Ich weiß ja, das du nicht online sein kannst. Aber wäre das nicht lustig, wenn du jetzt online wärst - ? Oder du kehrst einfach wieder um, kurz vor dem Bahnhof, in der Straße mit dem giftgrünen Haus, wo wir letztens spazieren gegangen sind...?
So viele blöde Fragen, ohne dich drehe ich mich einfach im Kreis. Nein, ich drehe mich nicht nur im Kreis, sondern
irgendwas anderes dreht sich um mich, und ich stehe körperlos in der Mitte. Ich brauche dich wie Luft zum Atmen, aber ich will
das so nicht. Ich bin eine einzige bescheuerte Clichee-Metapher und will mich nicht ernstnehmen müssen.
Aber so langsam sollte ich etwas ändern. Wie, drängt sich die Frage auf.
Ich höre erstmal Musik. Laut und beschwingt. Ich schlurfe durchs Haus, singe mit, laut, weil die Musik sowieso jeden Ton übertönt.
Ich gehe online, suche deinen Namen in der Kontaktliste. Einmal, zweimal, dreimal, viermal drücke ich die "D"-Taste. Da ist dein Name. In Kursiv.
Bist der einzige auf meiner Sichtbarkeitsliste. Weil ich mit dir immer schreiben kann, und immer schreiben möchte. Wie jetzt zum Beispiel.
Wo bist du? Wieso bist du nicht da?
schreibe ich. Eine Systemmeldung macht mir eiskalt und übrigens ebenfalls in Kursiv klar, dass du meine Nachricht erst lesen wirst, wenn du das nächste Mal online kommst.
Wie kann man jemanden so vermissen? Dabei kenn ich dich doch noch garnicht so gut. Oder vielleicht kenne ich dich ja sogar schon richtig gut, Ja,
da bin ich mir fast sicher. Ich weiß ganz genau den Farbton deiner Augen, so ein Goldbraun, wie ich es noch nie gesehen habe.
Klar kenne ich dich. Aber bei mir stellt sich dieses Vertrautheitsgefühl immer erst ein, wenn ich auch sicher weiß, dass du MICH gut kennst. Wann
hab ich dir zuletzt erzählt, was ich gerade denke? Was ich in fünf Minuten mache?
Ich schreibe dir jetzt, obwohl die Systemmeldung wieder und wieder auftaucht. Was ich gerade mache, was ich nachher noch machen werde. Und ich frage, wann du wiederkommst.


Wie das im Traum so ist


13.01.2009 21:50 Uhr

Heute Nacht habe ich geträumt, von dir, und von meinem Kind. Deinem Kind. Wir waren im Krankenhaus, und irgendwer war verletzt oder krank oder tot, aber wie das im Traum manchmal ist – das war nicht so wichtig. Vielleicht habe ich ihn gar nicht gekannt. Vielleicht war es eine Frau. Es war vielleicht auch keine Person, sondern ein Grund oder ein Hinweis. Ich jedenfalls war da. Du warst da, meine Familie, und ich war der Mittelpunkt. Ihr habt euch um mich gedreht und standet um mich herum. Ich konnte von oben auf mich heruntersehen. Perspektiven haben gewechselt, Gesichter sich verändert und sind die gleichen gewesen, geblieben. Wie das im Traum so ist.
Ich wusste, dass ich weinen würde, wenn ich es sehe und es haben darf und halten. Mein Traumland war nicht schön und nicht hässlich. Es war neutral und perfekt, es war vielleicht ein echtes Krankenhaus. Mein Kopf hat sich alles vorher zurechtgelegt und mich dann teilhaben lassen.
Ein Arzt betritt das Zimmer, ein helles Dachzimmer, eine helle Holzdecke und weißes Linoleum zu unseren Füßen mit Sprenkeln in bunt. Viele verschiedene Farben sind zu sehen. Der Arzt trägt meergrün und einen Mundschutz. Sein Gesicht kann ich nicht sehen, aber ich sehe seine sprechenden Augen, mit denen er mir hoffnungsvoll und bestärkend sagt, was nicht ausgesprochen wird: Mein Kind ist hier. Ich musste keine Schmerzen ertragen, obwohl ich das getan hätte. Ich muss darüber nicht nachdenken, ich darf es haben, es ist ein Geschenk, überbracht von einem Boten in meergrün. In ein weiches Tuch gewickelt, hellgrün oder weiß oder lindgrün, es ist der Rahmen für einen winzig kleinen Körper, deine dunkelbraunen Augen in einem faustgroßen Kopf sehen mich an, schon ganz wach, schon ganz erfahren und weise.
Ist es ein Junge, ein Mädchen, ein Junge, ein Mädchen – ich denke nicht darüber nach. Gedanken kommen erst nach dem Aufwachen. Im Traum lebe ich nur, und liebe. Ich liebe dieses Kind, ich weine und schluchze an der Schulter meines Vaters. Das ist ein wichtiger Bestandteil, das muss so sein, ich fühle es, und ich will es so. Ich spüre den kleinen warmen Körper, so wunderbar, so greifbar und schutzbefohlen, ich darf es haben, ich habe es bekommen. Es ist dein Kind, und ich freue mich, dass es dir ähnlich sieht. Sein Kopf in meiner Hand ist wie ein Miniatur-Erdball, er ist alles, er lebt und atmet und schließt die Augen und öffnet sie. Es ist wunderschön.

























Idee

15.09.09
Layout mit Jeremy Capone

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